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BNN, 29 Januar 2007

"Du bist Schuld, dass ich hier so sitze"

"Unter einer Decke": Ein Stück über Schuld und Vergebung in einer Dorfgemeinschaft

KRITISCH BEÄUGT wird Wibke in dem Stück "Unter einer Decke". Und zu alledem wird sie auch noch mit der Vergan-genheit ihres Vaters konfrontiert, den sie nicht kennt. Nur ihre Schwester Dörte nimmt sie in Schutz. Foto: Donecker

cm. Pidder Martens ist wieder da! Diese Neuigkeit hat sich in dem kleinen Fischerdorf wie ein Lauffeuer verbreitet. Die Trödlerin hat es bei ihrem täglichen Rundgang durch das Dorf erzählt - schlagartig ist die Vergangenheit wieder präsent. Das gemeinsam begangene Verbrechen, die Schuldzuweisungen, Ängste und der daraus resultierende Zwist innerhalb der Dorfgemeinschaft. Gespannt verfolgten 120 Zuschauer am Samstagabend die Aufführung des Theaterstücks "Unter einer Decke". Die Karlsruher Spielgemeinde führte es im Rahmen der Feierlichkeiten zum 100. Geburtstag des Städtischen Klinikums Karlsruhe auf.

"Du bist schuld, dass ich hier so sitze", schreit Dörte, die ältere Tochter des Pidder. Sie lebt auf einem Müllhaufen. Nachdem der Vater wegging ist kurz darauf auch die Mutter verschwunden. Jetzt fristet sie ihr Dasein: ausgeschlossen, verzweifelt und ist ein

bisschen verrückt geworden. Ein paar Szenen später trifft sie auf ihren Vater.

Der ist auf der Suche nach Wibke, der jüngeren Tochter. Die ist im Dorf ein paar gehässigen Frauen begegnet und wurde von ihnen attackiert. Wibke ist verwirrt, war sie doch noch zu jung, als die schrecklichen Dinge hier passierten. "Kennst du mich nicht mehr?", nimmt Pidder Kontakt zu Dörte und berührt sie leicht am Arm. Seine Tochter stößt ihn heftig von sich, trinkt Alkohol, lacht ihn aus. Verzweifelt sucht er weiter nach seiner Wibke und trifft dabei auf Dorfbewohnerin Wilma, die ihn mit seinem Schicksal auf das heftigste konfrontiert. Pidders Frau Svenja ist weg: das einzige, was geblieben ist, sind ein Foto und eine Muschel. Auch sie hielt es in dem Dorf nicht mehr aus. Pidder nimmt die Sachen an sich und wird melancholisch. Wie schön war die Zeit vor dem grauenhaften Unglück. Wer ist verantwortlich für den Tod von Sören,.

den Geliebten der Gräfin, der im Meer ertrunken ist

Die Menschen im Ort lachen seither über die Frau, die nur noch in ihren Erinnerungen schwelgt. "Er ruft mich jede Nacht: komm, Liebste komm!", jammert die Verwirrte. Dörte teilt sie ihr Vorhaben mit. Sie will ins Meer gehen, um Sören zu suchen. "Gräfin bleib!", versucht Dörte zu vermitteln, doch sie ist bereits in Richtung Strand gelaufen.

Vor allem einer soll helfen: Pidder Martens, der auch damals versuchte Sören zu retten. Doch der packt bereits seine Sachen, will wieder weg. Die Dorfgemeinschaft ist in zwei Lager geteilt: helfen oder das Unglück tolerieren. Dem Zuschauer bleibt überlassen, welches Ende das Stück hat.

Mehr Informationen zur Karlsruher Spielgemeinde und weitere Aufführungstermine 2007 unter: www.ka-spielgemeinde.de