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raumK, Januar 2011

 

Leben ist kein Verzicht

 

Wer die von Heide Harmsen geleitete Karlsruher Spielgemeinde kennt, weiß, dass der Weg das Ziel ist. In Gesprächen, Diskussionen und improvisationsübungen werden Texte und Szenen erarbeitet und Theaterbilder entworfen, die sich an die Erlebnisse, Hoffnungen und Ängsten der Mitglieder anlehnen und damit zum Mittel der Bewältigung persönlicher Freuden und Sorgen werden. Dabei entstehen dann alle ein bis zwei Jahre Aufführungen, die sich sehen lassen können. Denn unter einer kompetenten Regie lassen sich die Schauspieler zu harter Arbeit und überzeugenden Leistungen begeistern, die das Publikum unmittelbar ansprechen.

Das jüngste Stück heißt Leben ist kein Verzicht und wurde am 20. November in der Emmaus- Kirche in der Waldstadt uraufgeführt. Ein paar bunt lackierte Stühle, eine Leiter, wenige elementare Requisiten, Vertreter verschiedener Generationen in zeitlos stilisierten Kostümen reichen aus, um ein Welttheater der kleinen Leute in den Altarraum zu zaubern, das Erinnerungen an mittelalterliche Moralitäten wecken mag. Auf die Bühne kommen vor allem die Verlierer der Gesellschaft: Landstreicher, Fehlgeleitete, Arbeitslose und Betrüger. Zu Beginn erklingen schrille anti-neoliberale Töne. Schließlich mündet die Kritik an den Verhältnissen in die mehr oder minder erfolgreiche Suche nach einem individuellen, poetisch verklärten Glück.

Die Botschaft vor dem Kreuz ist klar zu hören. Sie wird unterstrichen durch diszipliniertes Spiel und eine bewusste Choreographie. Die durchgehende musikalische Begleitung durch Klarinette und Schlagzeug hält die Szenen zusammen. Der vorherrschend klagende Grundton geht nicht leicht aus den Ohren. Auch manche Zuschauer werden die reinigende Kraft des Theaters spüren.